Am Dienstag, dem 02. November 2010, und am darauf folgenden Mittwoch, den 03. November, fanden der dritte und vierte Verhandlungstag im Prozess gegen Safet Babic, Martin Auler und Karl H. statt.

Den Auftakt machten die Aussagen von Tim und Tina*, die am Abend des 18. Mai 2009, ebenfalls von den Nazis angegriffen wurden, aber letztlich glücklicherweise vor ihnen flüchten konnten. Beide haben Babic im Pulk der Angreifer erkannt, konnten aber allerdings – genauso wie die vorherigen Zeugen – dem NPD-Mann konkret keine Schläge zuordnen. Tina denkt nur ungern an den Abend zurück: „Sein breites Grinsen hat sich in mein Gedächtnis gebrannt.“

Gleiches gilt für drei Frauen, die den Angriff teilweise aus ihrer Wohnung heraus beobachtet hatten. Immerhin konnten sie sich daran erinnern, dass ein Mann „südländischen Typs“ mit auffälligem Bart zu dem am Boden liegenden Opfer, Frank*, etwas wie „Wir kriegen dich noch!“ rief. Sollte es sich bei dieser Person um Safet Babic handeln, so ist dies ein weiterer Kratzer in dem von ihm propagierten „Samariter-Image“.

Wie der Aussage des nächsten vernommenen Zeugen zu entnehmen war, hat Karl H. an diesem Abend wohl in Trier-Nord aus seinem BMW heraus Fotos von mutmaßlichen Plakatabreißern gemacht und telefoniert.

Peter Dietz*, Hauptkommissar und Einsatzleiter an diesem Abend, berichtete, wie etwa fünf Minuten nachdem die drei vorher festgenommenen AntifaschistInnen das Präsidium wieder verlassen hatten, Frank anrief, er sei angegriffen worden. Es wurden 3 Streifenwagen rausgeschickt. Schließlich wäre Martin Auler in der Nähe des Tatorts aufgefallen, da dieser bereits der Trierer Polizei bekannt sei. Auler und Babic wurden untersucht und festgenommen; eine Fahndung nach dem dunklen BMW eingeleitet. Der Wagen konnte in Trier-West gestoppt werden. Die InsassInnen Karl H. und M. T. wurden ebenfalls festgenommen.

Trotz ausführlicher und wiederholter Belehrung Babics, wollte dieser unbedingt zur Sache vernommen werden. Dietz selbst definierte die Aussage Babics als unglaubwürdig. Wieso sollte er direkt vor der Polizei umgedreht haben, um die drei Verdächtigen eigenmächtig festzunehmen. Des Weiteren ist laut dieser Aussage Babic von seinem „Freund“ Karl H. informiert worden. Von einem Plakatlager (siehe vorherige Berichte) ist keine Rede.

Babic, sichtlich beunruhigt, versuchte in der Verhandlung die Aussagen zu relativieren und schließlich sogar zurückzuziehen, da Dietz diese nur sachgemäß wiedergegeben habe und kein richtiges „Verhör“ vorlag. Außerdem meinte Babic, würden seine Angaben so keinen Sinn ergeben. Hierauf konnte Dietz nur antworten: „Ob die Sätze Sinn machen, weiß ich nicht, dann hätten Sie mir etwas sinnloses erzählt.“

Am folgenden Verhandlungstag wurden hauptsächlich PolizeibeamtInnen vernommen. Insgesamt brachten deren Aussagen, wenig Neues hervor und zeigten teilweise eklatante Ermittlungsfehler bei der Polizei auf. So wurden zwar die Mobiltelefone von H., Auler und Babic beschlagnahmt und ausgewertet, bei H.s Handy war aber vergessen worden, gelöschte Fotos zu rekonstruieren.

Dennoch sind die rekonstruierten Geprächs- und SMS-Daten insofern interessant, als das sie belegen, dass am Tatabend alle drei Angeklagten mit dem bekannten Trierer Neonazi Dennis R. telefonierten, obwohl sich dieser angeblich mit der NPD überworfen und zurückgezogen habe. Dies zeigt zudem, dass Aulers und Babics Behauptung, sie würden H. nur recht flüchtig von der Uni kennen, unglaubwürdig ist.

Daneben telefonierte sich Babic im relevanten Zeitraum quasi einmal quer durch Trierer Naziriege: David R., Christian Niewerra, Ronny P. etc. Dies scheint den Vorwurf der Staatsanwaltschaft zu untermauern, dass Babic ein „Rollkommando“ zur Ergreifung der vermeintlichen Plakatabreißer zusammengestellt habe.

Zwischenfazit

Auch an diesen beiden Prozesstagen konnten die Angeklagten nicht glänzen. Nachdem H. bislang keine Aussage zum Geschehen gemacht hat, scheint er doch allmählich seine Hemmungen fallen zu lassen. So klopfte er bei Zustimmung auf den Tisch oder grinste selbstgefällig bei Anschuldigungen.

Es wurden mehrere Beweisanträge gestellt. So erscheinen am 16. November noch drei Zeugen aus der lokalen Naziszene auf Antrag von Eike Erdel (Babics Anwalt), die ein Zusammenstellen eines „Rollkommandos“ widerlegen sollen. Auf Seiten der Staatsanwaltschaft wurde ebenfalls die Ladung eines weiteren Zeugen beantragt. Eike Erdel hat auch in Hinsicht auf die Kranzniederlegung einen Antrag gestellt. Es soll dargelegt werden, dass eine Anmeldung erst gar nicht erforderlich gewesen sei. Ob sich Babic & Co. hierdurch jedoch wieder in ein besseres Licht rücken können, bleibt abzuwarten.

Außerdem wurde ein weiterer Verhandlungstag für den 26. November anberaumt. Dort soll es unter anderem um die DNA-Analyse des LKA gehen und zu diesem Termin werden wahrscheinlich frühestens die Plädoyers verlesen.

* Name geändert