Am Abend des 9. Novembers, dem Jahrestag der landesweiten Pogrome der deutschen Bevölkerung gegen Jüdinnen und Juden, der heute unter dem Namen der „Reichspogromnacht“ bekannt ist, veranstaltete die NPD in Trier eine Kundgebung „gegen Kapitalismus“. Ein Verbot der Stadt Trier wurde wenige Stunden vor der geplanten Kundgebung vom Oberverwaltungsgericht Koblenz aufgehoben.

Es stellt sich die Frage ob einer solchen Naziprovokation an diesem Tag durch unseren Bericht nicht ein unnötiges Forum geboten wird. In Anbetracht, dass diese Kundgebung aber einen viel sagenden Blick auf den momentanen Zustand der NPD-Trier ermöglicht, halten wir dies für vertretbar.
Um 18:30 versammelten sich 17 Nazis unter der Leitung Safet Babics am Simeonstiftplatz. Mit einer Deutschland- und einer NPD-Fahne aber ohne Megafon sollte die NPD-Kundgebung gerade beginnen, als ca. 40 Antifaschist_innen, die zuvor in einer Spontandemonstration durch die Fußgängerzone gezogen waren, an der Kundgebung angelangten. Die überfordert wirkende Polizei konnte die Nazis gerade noch mit einer Polizeikette sichern. Nach einer Rede Safet Babics – ein wirrer, nicht verständlicher und wohl nur zur eigenen Selbstdarstellung gestrickter Monolog – lies schon den weiteren Verlauf des Abends erahnen. Nach dem Auftakt sollte sich die Nazi-Kundgebung auf den Porta Nigra Vorplatz verlagern, was wohl das Ergebnis des Deals zwischen OVG und NPD war, um keine Demonstration erlauben zu müssen.
Die, durch diesen Ortswechsel verursachte, kurze Dynamik überforderte die Polizei und die erschrockenen Nazis nun sichtlich. Die NPD-Anhänger vergrößerten voraussehend ihren Abstand zwischen den Antifaschist_innen und der mittlerweile aufgezogenen Polizeikette.
Die nun folgenden 1 ½ Stunden Kundgebung wurde mit einem einstündigen Monolog von Babic, einem kurzen Auftritt eines Alt-Nazis und dem Singen von Liedern gefüllt. Schnell zeigte sich, dass trotz angeblichem Bezug auf die Wiedervereinigung Babic schnell zum eigentlichen Anliegen kam. Neben kruden Phrasen gegen den Euro wurde alsbald Israel, die angebliche jüdische Verschwörung und der Zionismus zum Hauptthema.

Den Höhepunkt dieser deutschen Widerlichkeit am 9. November bildeten Parolen wie „Nie wieder Krieg – nach unserem Sieg“ und vor allem Äußerungen mit klarem historischem Bezug zur sogenannten „Reichspogromnacht“, wie beispielsweise „Scherben bringen Glück!“ oder „Der 9. November 1938 war ein großer Tag für das deutsche Glaserhandwerk!“. Diese Äußerungen wurden von den anwesenden Polizist_innen trotz ausdrücklichem Hinweis nur mit Schulterzucken quittiert.
Festzuhalten ist allerdings, dass die NPD-Truppe zu keiner Zeit eine Außenwirkung besaß. Ein verwirrter Alt-Nazi, der nicht genau wusste, ob er seine Rede an die Gegendemonstrant_innen oder das mickrige Nazi-Grüppchen von 17 Menschen richten soll, eine NPD-Fahne, die falsch herum gehalten wurde, eine an Peinlichkeit kaum zu übertreffende Gesangseinlage und dazu noch die Linien-Busse, die alle paar Minuten um die Kundgebung kreisten, taten dabei ihr Übriges. Die Zahl der Gegendemonstrant_innen wuchs zwischenzeitlich auf ca. 60-70 Menschen an und diese übertönten die Nazikundgebung zudem zu jedem Zeitpunkt. Hier ist noch zu erwähnen, dass die Parolen der Gegendemonstrant_innen anscheinend ihre Wirkung hatten. So reagierte Babic rechtfertigend, auf die Parole „Nie wieder Jura“, die sich auf sein vor einigen Jahren gescheitertes Jura-Studium an der Universität Trier bezog, mit der Äußerung er habe nun Politikwissenschaft studiert. Es scheint ihn hart zu treffen, wenn vor den Augen seiner Kameraden seine Autorität untergraben wird, die anscheinend – wenn nicht mehr viel übrig bleibt – auf seine akademische „Karriere“ aufbaut.


Fazit:
Safet Babic versucht anscheinend seine „neue Taktik“ durch zu ziehen. Nachdem er den Stadtrat nicht mehr als Bühne nutzen kann, müssen Demonstrationen und Kundgebungen dafür dienen ihn als Führungsperson der regionalen Naziszene darzustellen. Dass dies allerdings Wunschdenken ist, zeichnet sich schon länger ab. Die Kundgebung am 9.November war in dieser Hinsicht eine Art Paradebeispiel für den momentanen Zustand der Trierer NPD. Trotz geschichtsträchtigem Datum mit antisemitischer Provokation und anscheinend längerer Planung, fanden sich nur 17 Kameraden ein. Diese setzten sich aus den üblichen Handlangern der Trierer NPD und ein paar jüngeren Dorfnazis zusammen. Die Stadt Trier und allen voran OB Klaus Jensen versuchten zwar die Kundgebung der Nazis zu verhindern, dies scheiterte jedoch in zweiter Instanz vor dem OVG in Koblenz. Ob sich hier nun Stadt und Verwaltungsgericht in Trier in ihren Verbotsbemühungen stümperhaft anstellten, oder das OVG in Koblenz kein Interesse an einem Verbot zeigt ist egal – mal wieder bleibt fest zu stellen, dass von einem „staatlichen Antifaschismus“, sofern es einen solchen überhaupt jemals gegeben hat, nichts zu erwarten ist.