Gleich 15 verschiedene Kundgebungsorte für einen Tag anzumelden, das klingt selbst für Safet Babic und seine Schergen der NPD völlig irre. Neben Kundgebungen in Ehrang, Pfalzel, Euren, Alt-Kürenz, Ruwer, Mariahof, Petrisberg, und Tarforst, war der Plan der Nazis, ihr faschistisches Gedankengut in die Trierer Innenstadt u.a. zum Viehmarkt, nach Trier-Süd und dem Hauptbahnhof zu tragen. Was im Vorhinein nach Größenwahn klang, stellte sich am Freitag den 15.02., dem Tag der angemeldeten und genehmigten Kundgebungen, als die aufwändigste NPD-Aktion seit der Einführung der ohne hin schon inhaltslosen und ausschließlich provokanten Kleinstkundgebungen dar Diese sind seit jeher die Spezialität der Trierer NPD und ihrem Vordenker Babic. Neu an dem Tag war, dass die Kundgebungen weder in der angemeldeten Reihenfolge, noch vollzählig angefahren wurden. Ein Kleinbus von Ricarda Riefling diente als Transport für die braune Brut, inklusive nationalistischer Verstärkung aus der Pfalz für die ausgedünnten Reihen der Trierer Nazis. Insgesamt zehn Pappkameraden saßen den Tag über gemütlich aufeinander in besagtem Bus, um Stationen in Trier und dem Umland abzugrasen.

Der Treffpunkt der Rechten war wie immer vor Safet Babics Haustür in Trier Nord, wo verladen und nach Ehrang zur ersten Kundgebung gefahren wurde. Augenscheinlich völlig planlos und uninformiert zeigten sich die Cops, die sich über das Stadtgebiet in verschiedene Six-Packs, Zivilstreifen und Streifenwagen verteilt hatte, um dort vielleicht mal einen Nazi zu erspähen. Verwunderlich ist dies insbesondere, weil die Kundgebungen offiziell vom Trierer Ordnungsamt genehmigt wurden. Die Exekutive schienen die ersten Stunden (angemeldet war von 10-21 Uhr) nicht mal ansatzweise zu wissen, wo und wann die NPD was durchführen will. Dies belegen auch Anrufe von verschiedenen Bullen auf dem Infotelefon der Antifa, was an diesem Tag zentrale Anlaufstelle für Berichte über Nazi-Aktivitäten war. Die Frage war dabei immer dieselbe: habt ihr schon was gehört? Habt ihr schon was gesehen? Gibt es irgendwo Gegenaktivitäten? Dass die Anmeldung von Safet Babic von parallel laufenden Kundgebungen in dieser Form genehmigt wurde, ist ein weiterer Beleg für die Ignoranz von Stadt und Polizei, die sich zu allem Überfluss auch noch den ganzen Tag von den Nazis an der Nase herumführen ließen.

Weitere Stationen der Nazi-Reisegruppe waren Trier-West, wo insbesondere und nicht zum ersten Mal das Verhalten der Polizei auffiel, die Gegendemonstrant_innen von der NPD fernhielt, jedoch den Kontakt der Nazis u.a. zu Grundschüler_innen ermöglichte und damit kleinen Kindern den Kontakt zur völkischen Vollscheiße zugänglich machte. Ob dies der polizeilichen Arbeitsplatzsicherung auch in der Zukunft dienen soll, indem rechtsradikale Agitation beschützt wird, ist bisher noch unklar. Weiter ging es nach Mariahof, diesmal eskortiert von der Polente, die scheinbar aufmerksame Leser_innen des Antifa Twitter-Accounts waren und daher nicht mehr so oft auf dem Infotelefon anrufen mussten. Vorletzte Station war dann der Südbahnhof und schließlich fanden sich die Nazis, hofiert und beschützt von der Polizei, am Hauptbahnhof zur Abschlusskundgebung ein. Besonders auffällig war dabei, dass einige Bullen scheinbar nur auf die Gegendemonstrant_innen und ihren Protest gewartet hatten. So versuchte der zuständige Einsatzleiter der Polizei nicht nur, eine Israelfahne zu entreißen, sondern fiel auch durch Beleidigungen wie “was versteckst du denn dein Gesicht? Bist du hässlich?” und
“was hat der denn für schwul lackierte Fingernägel? Ist das ein Mädchen oder was?” auf. Spätestens dort wurde die Extremismusklausel in der Praxis zum rechtsoffenen Schaulaufen der staatlichen Hooligans. Auf Nachfrage nach seinem Namen und seiner Dienstnummer antwortete der Einsatzleiter mit „Hans Meier“, was durch die restliche Robocop-Truppe im einvernehmlichen Korpsgeist schweigend gedeckt wurde. Das zusammenhanglose antisemitische und nationalistische Geschrei Babics verhallte in den Rücken der protegierenden Staatsmacht.

Die Gegenaktivitäten liefen dezentral seit dem frühen Morgen, das Informationsnetz war aufgrund vieler engagierter und äußerst mobiler und aufmerksamer Antifaschist_innen über weite Teile des Tages gut aufgestellt und organisiert. Völlig gefehlt hat die Zivilgesellschaft, die mit Ausnahme einiger Jusos an keinem der Kundgebungsorte präsent war, obwohl der Aktionstag der Nazis schon mehrere Tage im Vorfeld bekannt gegeben wurde. Die sprichwörtliche Suche nach der braunen Nadel im Heuhaufen gestaltete sich zwar schwierig, trotzdem waren viele Rückmeldungen und schnelle Mobilisierung an verschiedene Orte innerhalb und außerhalb der Trierer Innenstadt Grund für ein großes Dankeschön an alle engagierten Antifaschist_innen in Trier und Umgebung, die den wahnsinnige Trierer NPD-Alltag nicht unwidersprochen hinnehmen woll(t)en. Das Versteckspiel von Babic blieb zwar über große Teile des Tages erfolgreich, allerdings bestanden die vielen Kleinstkundgebungen fast ausschließlich aus ausgespielter Musik, fanden kaum Aufmerksamkeit durch die Öffentlichkeit und überall waren Antifaschist_innen vor Ort um die NPD in ihrem Auftreten zu stören. Dass der Trierer NPD mittlerweile bereits fest angemeldete Kleinstkundgebungen zu heiß werden, kann demnach auch als Erfolg antifaschistischer Strukturen gedeutet werden, die bei diesen Veranstaltungen immer präsent waren. Natürlich ist zu erwarten, dass Babic und seine hirnverbrannte Truppe den Tag als Erfolg für den nationalen Widerstand wertet, aber dies ist nun mal konstruierender und identitätsstiftender Kern der braunen Vollverblödung.

Zum Abschluss des Tages, der nicht an die Neonazis und ihre peinlichen Kungebungen verschenkt werden sollte, fanden sich mehrere Antifaschist_innen in Trier Süd zu einer Spontandemonstration zusammen. Hier sollte ein deutliches Zeichen gegen die Versuche der Nazis die Stadt einzunehmen gesetzt werden und so zogen die Antifaschist_innen mit Transparenten, Fahnen und Feuerwerk durch die Karl-Marx-Straße, die Safet Babic noch vor wenigen Wochen als „no-go area“ bezeichnet hatte.