Archive for März, 2014

„We break the silence!“ Die antisexistischen Thementage im Oktober und November 2013

Samstag, März 8th, 2014

Anlässlich des Weltfrauen*kampftags findet ihr hier unseren Text zu den antisexistischen Thementagen im letzten Jahr, noch einmal gesondert von unserem Jahresrückblick.

Im vergangenen Jahr waren uns die The­mentage „break the silence“ und deren Umsetzung ein wichtiges Anliegen. Zusam­men mit der Feministischen Aktion Trier (FAT), dem Referat für Antirassismus und Antifaschismus und dem queerfeminis­tischen Frauen­ und Lesbenreferat der Karl­ Marx Uni Trier konnten wir eine Rei­he interessanter Veranstaltungen und eine Abschlussfeier in der Villa Wuller organi­sieren. Weshalb uns das ein wichtiges An­liegen war und ist, werden wir euch im Fol­genden darlegen.

Sexismus in der linken Szene

Trotz des Bewusstseins über die Wirk­mächtigkeit des Sexismus in dieser Gesell­schaft macht eben jener auch vor der linken Szene nicht halt. Dies mussten wir im Verlauf der letzten 14 Monate schmerzhaft er­fahren. Ausgehend von konkreten Vorfällen im Dunstkreis der Szene kam es zu einer intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema innerhalb unserer Gruppe. Erst in Folge der Vorfälle wurde über Sexismus und Grenzverletzungen innerhalb der Szene gesprochen. Dieses Sprechen, Thematisieren und Benennen löste Prozesse der Re­flexion und Sensibilisierung aus.

Aufgrund der aufkommenden Präsenz des Themas trauten sich andere Betroffene ihre Erlebnisse zu verbalisieren, die teils Jahre zurücklagen. Dabei spiegelte sich das gesellschaftliche Rollenbild wider: primär waren weiblich sozialisierte Menschen be­troffen, die sich mit den Erfahrungen allein gelassen fühlten mit ihren negativen Er­fahrungen. Vielfach wird sexualisierte Ge­walt in der Gesellschaft totgeschwiegen und verharmlost: „Ach – das war nur ein Spaß!“ oder „Das war doch als Kompli­ment gemeint…!“ sind Aussagen, die uns allen nur allzu bekannt sind, wenn eine be­troffene Person die Grenzverletzung an­spricht. An dieser Stelle wird deutlich, dass Sexismus nicht nur bedeutet bei einem Menschen zu weit zu gehen, sondern auch, dass der Mangel an einem safer­space (feministischer Begriff für einen vor Sexismus sicher[er]en Raum) für Betroffene zu Verdrängungsprozessen führt.

Reflexion und Thementage

In den Diskussionen zu den Vorfällen kris­tallisierte sich das Bedürfnis einer poli­tischen Positionierung heraus. Um diese überhaupt möglich werden zu lassen war die Gruppenreflexion ein wichtiges Funda­ment. Angefangen bei der Analyse der in­formellen Hierarchien, der Gruppenkon­stellation und dem Genderverhältnis (auch dem in der Szene über die Gruppe hinaus), bis hin zur Außenwirkung spiegeln diese immer noch die gesellschaftlichen Verhält­nisse wider. Um eben diese Spirale zu durchbrechen waren es eine logische Kon­sequenz die antisexistischen Thementage gemeinsam mit anderen Gruppen auf den Weg zu bringen. Es ging uns darum einen Raum zu schaffen, um über Sexismus und seine vielfältigen Erscheinungsformen zu sprechen – einen Reflexionsprozess in Gang zu bringen. Obwohl sich linke Men­schen als Antisexist*innen labeln, hinter­ fragen sie vielfach nicht ihr ansozialisiertes Geschlecht und das damit verbundene Han­deln. Dadurch wurde uns bewusst, dass es einer pro­feministischen Positionierung und kontinuierlicher Selbstkritik bedarf um sich rückschrittlichen Tendenzen entgegen zu stellen.

Bereits vor den Vorfällen waren wir uns des medialen Bildes „der Antifa“ bewusst, wel­ches vorwiegend mit Klischees arbeitet. Antifa bedeutet hier oftmals schwarz vermummte, männlich wahrgenommene Men­schen inmitten von Gewaltszenen. Dabei wird nicht wahrgenommen, dass sich anti­faschistische Gruppen und Einzelpersonen vielfach in soziale Kämpfe einklinken, für eine freie Gesellschaft kämpfen und Soli­darität mit Benachteiligten zeigen. Antifa ist keine Ein­Punkt­Bewegung, die sich nur gegen Rechts richtet. Die Frage, ob es noch weitere Identifikationsmöglichkeiten für Aktivist*innen gibt, als den „prügelnden Antifa­Boy“ beantworten wir ganz klar mit ja! Hier spiegelt sich unser ansozialisiertes binäres Geschlechterdenken mit all seinen Vorurteilen wider: Kann das stille, zier­liche Mädchen* überhaupt „zur Antifa“ gehören? Wir alle sollten unsere Denk­- und Verhaltensweisen hinterfragen, nur so kön­nen wir selbst einen positiven Gegenent­wurf zur alltäglichen Praxis werden lassen.

Die Doppelbelastung der Frau in Produkt ion und Reproduktion ermöglicht dieser bürgerlichen Gesellschaft eine fundamental patriarchale zu bleiben. Der alltägliche Sexismus reproduziert einen status quo der diese Verhältnisse vielfach auf dem Rücken weiblich sozialisierter Menschen zemen­tiert. Wir erkennen den Sexismus und seine Mechanismen als elementaren Bestandteil dieser kapitalistischen, hierarchischen Ge­sellschaftsorganisation – nicht als Neben­widerspruch des Kapitalismus, der sich auf­hebt, sobald der Kapitalismus überwunden ist!

Auch das Weltbild von Neonazis baut darauf auf, lebt von Männlichkeitsbildern und ­phantasien, während „die Mutter“ sich am Herd und in der völkischen Ideolo­isierung des Nachwuchses selbst genügt. Doch nicht nur die rechte Ideologie profi­tiert von dem binären Geschlechterver­ständnis und repräsentiert dieses: Die „Herdprämie“ verleitet Frauen dazu, sich keine Arbeit zu suchen, da diese im Ver­gleich zum Lohn des Mannes schlechter bezahlt wird. So geraten in der Regel Müt­ter in noch größere Abhängigkeiten zum Vater. Die CDU hingegen begreift sich selbst als besonders fortschrittlich, wenn ei­ne siebenfache Mutter Verteidigungsmi­nisterin wird. Gleichzeitig erkennen wir, wie gut das ins Konzept passt. Gegen diese heuchlerischen Zustände und seine Verbün­deten!

Wir freuen uns riesig über die notwendige Gründung der FAT im letzten Jahr! Ihre Arbeit innerhalb dieser konservativen Stadt Trier und die Funktion als Anlaufstelle für politisch interessierte Menschen, die sich in männlich dominierten Räumen unwohl füh­len, ist nicht hoch genug zu wertschätzen. Wir wollen keine Macker­-Antifa und sehen den Feminismus als Teil antifaschistischer Arbeit!

Join your local Antifa Grrrls!

Antifaschistischer Jahresrückblick 2013

Sonntag, März 2nd, 2014

Im Dezember 2012 veröffentlichten wir unsere Broschüre „Neonazis in Trier – eine Be­standsaufnahme“, in der wir die Neonaziszene in Trier und Umland unter die Lupe nahmen. Auch 2013 setzten wir diese kritische Auseinandersetzung mit der regionalen Neonaziszene fort.

Die Arbeit der Autonomen Antifa Trier war aber auch 2013 viel breiter als die alleinige Beschäftigung mit den hiesigen Nazis – hier vor allem die NPD Trier, samt ihres Kundgebungszirkusses. Unserem Verständnis über einen konsequenten Antifaschismus liegt die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Strukturen und Zuständen zu Grunde, die unseren Vorstellungen über ein gutes und solidarisches Leben für alle entgegenstehen. Dass diese grundlegende Kritik an der kapitalistischen und deutschen Normalität so aktuell wie eh und je ist, zeigte sich auch im vergangenen Jahr schmerzhaft. In Orten wie Schneeberg, Berlin­-Hellersdorf oder Duisburg, um nur einige zu nennen, formierte sich der rassistische Mob und hetzte gegen Flüchtlinge. Gleichzeitig starben hunderte Flüchtlinge bei dem Ver­such, die vermeintlich sichere Zuflucht Europa zu erreichen. In diesem Zusammenhang fand im Sommer in Trier eine Demo statt, um diese rassistischen Zustände und insbesondere die europäische Abschottungspolitik anzugehen.

2013 gab es in Trier aber auch noch weitere Themenfelder linker und emanzipatorischer Politik: So organisierten sich beispielsweise Menschen, um eine aktuelle feministische Kritik und Politik zu stärken und zu etablieren. Gründe dafür gibt es mehr als genug. Nicht erst
2013 wurde deutlich, in wie vielen Formen die bestehenden Verhältnisse ihr unmenschliches und unterdrückendes Gesicht zeigen. Ganz nebenbei befindet sich der Kapitalismus in einer seiner vielen und wohl auch nicht letzten Systemkrise. Anstatt aber das Problem im kapita­listischen System selbst zu sehen, führte und führt diese Krise zu einer autoritären Sparpolitik, welche sich unter der Führungsrolle Deutschlands in Europa mit allen Mitteln – und allen Folgen zum Trotz – durchsetzt.

Wo kann Antifaschismus also ansetzen und was können wir tun, um diesen Verhältnissen etwas entgegenzusetzen? Klar ist: Will man Probleme an der Wurzel lösen, muss man diese im Kontext verstehen. Schnell wird aber deutlich, dass es hier um die gesamtgesellschaftliche Soße geht und damit unterschiedlichste Themen in den Fokus geraten. Das spiegelt sich auch in den Schwerpunkten des vergangenen Jahres wider.

So soll dieser „Jahresrückblick“ nicht wie so oft bei schönen und emotionalen Bildern stehen bleiben. Ziel ist es vielmehr, einen kurzen Rückblick auf die Themen vorzunehmen, die 2013 in Trier und darüber hinaus für uns wichtig waren und diese in einen Zusammenhang zu stellen. Auch wollen wir uns bei unseren vielen Unterstützer*innen bedanken und allen Leuten, die diese Zustände genauso ankotzen wie uns, viel Kraft für 2014 wünschen.

Eure Autonome Antifa Trier
Februar 2014

AAT_Rueckblick_2013 (Cover)

Antifaschistischer Jahresrückblick 2013 (PDF)
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15.03. – Naziaufmarsch in Koblenz verhindern!

Samstag, März 1st, 2014

Für den 15. März 2014 hat die Neonazi-Partei Die Rechte eine Demonstration in Koblenz angemeldet. Die Partei möchte sich so mit den Angeklagten im Prozess gegen das Aktionsbüro Mittelrhein (ABMR) solidarisieren. Dies kann nicht unwidersprochen bleiben!

Entsprechend finden an diesem Wochenende zwei Aktionen gegen Neonazis in Koblenz statt.

Gegenaktionen

14MARZ_PLAKATZum einen wird es am 14. März eine Vorabenddemo unter dem Motto „Schöner leben ohne Nazis – Solidarität mit den Betroffenen von Rassismus und rechter Gewalt!“ geben. Diese startet um 19 Uhr am Hauptbahnhof Koblenz:

Wir las­sen uns von den Nazis nicht das Wo­chen­en­de ka­putt ma­chen, son­dern gehen gut ge­launt mit Musik auf die Stra­ße, um ge­mein­sam zu zei­gen: Schän­gel gegen Nazis und gegen Ras­sis­mus!
Wir wol­len auch auf die Di­men­si­on von rech­ter Ge­walt hin­wei­sen und wer­den uns mit den Be­trof­fe­nen von rech­ter Ge­walt so­li­da­ri­sie­ren und mit einer Schwei­ge­mi­nu­te auf sie hin­wei­sen.
Wir wol­len mit un­se­rer De­mons­tra­ti­on durch In­nen-​ und Alt­stadt auch auf den Na­zi­auf­marsch am nächs­ten Tag hin­wei­sen und die Men­schen auf­for­dern, sich an den Ge­gen­ak­ti­vi­tä­ten zu be­tei­li­gen.

Am 15. März findet dann eine Gegendemo des DGB mit dem Titel „Koblenz bleibt bunt!“ statt. Diese startet um 13 Uhr ebenfalls am Hauptbahnhof Koblenz:

Es ist klar: Wir wollen ihnen die Straßen von Koblenz nicht überlassen und rufen deshalb zu einer Kundgebung und einem Demonstrationszug auf.
Wir sind nicht bereit, irgendeine Form von Hetze gegen Menschen hinzunehmen. Für uns ist es auch Gewalt, wenn Angst bewusst geschürt wird und Einschüchterung gewollt ist.
Wir stehen ein für ein angstfreies und vertrauensvolles Miteinander. Wir wollen ein buntes und lebensfrohes Koblenz, in dem alle sein können.

Anreise

Es wird am 15. März eine gemeinsame Anreise aus Trier geben. Achtet hier oder auf Facebook auf entsprechende Ankündigungen. Alerta antifascista!