Anlässlich des Weltfrauen*kampftags findet ihr hier unseren Text zu den antisexistischen Thementagen im letzten Jahr, noch einmal gesondert von unserem Jahresrückblick.
Im vergangenen Jahr waren uns die Thementage „break the silence“ und deren Umsetzung ein wichtiges Anliegen. Zusammen mit der Feministischen Aktion Trier (FAT), dem Referat für Antirassismus und Antifaschismus und dem queerfeministischen Frauen und Lesbenreferat der Karl Marx Uni Trier konnten wir eine Reihe interessanter Veranstaltungen und eine Abschlussfeier in der Villa Wuller organisieren. Weshalb uns das ein wichtiges Anliegen war und ist, werden wir euch im Folgenden darlegen.
Sexismus in der linken Szene
Trotz des Bewusstseins über die Wirkmächtigkeit des Sexismus in dieser Gesellschaft macht eben jener auch vor der linken Szene nicht halt. Dies mussten wir im Verlauf der letzten 14 Monate schmerzhaft erfahren. Ausgehend von konkreten Vorfällen im Dunstkreis der Szene kam es zu einer intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema innerhalb unserer Gruppe. Erst in Folge der Vorfälle wurde über Sexismus und Grenzverletzungen innerhalb der Szene gesprochen. Dieses Sprechen, Thematisieren und Benennen löste Prozesse der Reflexion und Sensibilisierung aus.
Aufgrund der aufkommenden Präsenz des Themas trauten sich andere Betroffene ihre Erlebnisse zu verbalisieren, die teils Jahre zurücklagen. Dabei spiegelte sich das gesellschaftliche Rollenbild wider: primär waren weiblich sozialisierte Menschen betroffen, die sich mit den Erfahrungen allein gelassen fühlten mit ihren negativen Erfahrungen. Vielfach wird sexualisierte Gewalt in der Gesellschaft totgeschwiegen und verharmlost: „Ach – das war nur ein Spaß!“ oder „Das war doch als Kompliment gemeint…!“ sind Aussagen, die uns allen nur allzu bekannt sind, wenn eine betroffene Person die Grenzverletzung anspricht. An dieser Stelle wird deutlich, dass Sexismus nicht nur bedeutet bei einem Menschen zu weit zu gehen, sondern auch, dass der Mangel an einem saferspace (feministischer Begriff für einen vor Sexismus sicher[er]en Raum) für Betroffene zu Verdrängungsprozessen führt.
Reflexion und Thementage
In den Diskussionen zu den Vorfällen kristallisierte sich das Bedürfnis einer politischen Positionierung heraus. Um diese überhaupt möglich werden zu lassen war die Gruppenreflexion ein wichtiges Fundament. Angefangen bei der Analyse der informellen Hierarchien, der Gruppenkonstellation und dem Genderverhältnis (auch dem in der Szene über die Gruppe hinaus), bis hin zur Außenwirkung spiegeln diese immer noch die gesellschaftlichen Verhältnisse wider. Um eben diese Spirale zu durchbrechen waren es eine logische Konsequenz die antisexistischen Thementage gemeinsam mit anderen Gruppen auf den Weg zu bringen. Es ging uns darum einen Raum zu schaffen, um über Sexismus und seine vielfältigen Erscheinungsformen zu sprechen – einen Reflexionsprozess in Gang zu bringen. Obwohl sich linke Menschen als Antisexist*innen labeln, hinter fragen sie vielfach nicht ihr ansozialisiertes Geschlecht und das damit verbundene Handeln. Dadurch wurde uns bewusst, dass es einer profeministischen Positionierung und kontinuierlicher Selbstkritik bedarf um sich rückschrittlichen Tendenzen entgegen zu stellen.
Bereits vor den Vorfällen waren wir uns des medialen Bildes „der Antifa“ bewusst, welches vorwiegend mit Klischees arbeitet. Antifa bedeutet hier oftmals schwarz vermummte, männlich wahrgenommene Menschen inmitten von Gewaltszenen. Dabei wird nicht wahrgenommen, dass sich antifaschistische Gruppen und Einzelpersonen vielfach in soziale Kämpfe einklinken, für eine freie Gesellschaft kämpfen und Solidarität mit Benachteiligten zeigen. Antifa ist keine EinPunktBewegung, die sich nur gegen Rechts richtet. Die Frage, ob es noch weitere Identifikationsmöglichkeiten für Aktivist*innen gibt, als den „prügelnden AntifaBoy“ beantworten wir ganz klar mit ja! Hier spiegelt sich unser ansozialisiertes binäres Geschlechterdenken mit all seinen Vorurteilen wider: Kann das stille, zierliche Mädchen* überhaupt „zur Antifa“ gehören? Wir alle sollten unsere Denk- und Verhaltensweisen hinterfragen, nur so können wir selbst einen positiven Gegenentwurf zur alltäglichen Praxis werden lassen.
Die Doppelbelastung der Frau in Produkt ion und Reproduktion ermöglicht dieser bürgerlichen Gesellschaft eine fundamental patriarchale zu bleiben. Der alltägliche Sexismus reproduziert einen status quo der diese Verhältnisse vielfach auf dem Rücken weiblich sozialisierter Menschen zementiert. Wir erkennen den Sexismus und seine Mechanismen als elementaren Bestandteil dieser kapitalistischen, hierarchischen Gesellschaftsorganisation – nicht als Nebenwiderspruch des Kapitalismus, der sich aufhebt, sobald der Kapitalismus überwunden ist!
Auch das Weltbild von Neonazis baut darauf auf, lebt von Männlichkeitsbildern und phantasien, während „die Mutter“ sich am Herd und in der völkischen Ideoloisierung des Nachwuchses selbst genügt. Doch nicht nur die rechte Ideologie profitiert von dem binären Geschlechterverständnis und repräsentiert dieses: Die „Herdprämie“ verleitet Frauen dazu, sich keine Arbeit zu suchen, da diese im Vergleich zum Lohn des Mannes schlechter bezahlt wird. So geraten in der Regel Mütter in noch größere Abhängigkeiten zum Vater. Die CDU hingegen begreift sich selbst als besonders fortschrittlich, wenn eine siebenfache Mutter Verteidigungsministerin wird. Gleichzeitig erkennen wir, wie gut das ins Konzept passt. Gegen diese heuchlerischen Zustände und seine Verbündeten!
Wir freuen uns riesig über die notwendige Gründung der FAT im letzten Jahr! Ihre Arbeit innerhalb dieser konservativen Stadt Trier und die Funktion als Anlaufstelle für politisch interessierte Menschen, die sich in männlich dominierten Räumen unwohl fühlen, ist nicht hoch genug zu wertschätzen. Wir wollen keine Macker-Antifa und sehen den Feminismus als Teil antifaschistischer Arbeit!
Join your local Antifa Grrrls!

Im letzten halben Jahr häuften sich jedoch entsprechende bedenkliche Vorfälle in der Fanszene des SV Eintracht Trier 05. Betont offensiv zur Schau gestellte sexistische, homophobe und intolerante Einstellungen insbesondere aus dem Umfeld der Ultra-Bewegung geben dabei besonderen Anlass zur Sorge. Drei Vorfälle sollen hier kurz exemplarisch dargestellt werden, um die Problematik besser verdeutlichen zu können.
